Die Kirche St. Bernhard
Bald 125 Jahre Pfarrkirche und Pfarrgemeinde St. Bernhard in Karlsruhe
Am Durlacher Tor lädt die älteste unserer Kirchen zum Gottesdienst ein.
Die neugotischen Bernarduskirche wurde 1902 eingeweiht.
Das denkmalgeschützte Bauwerk entstand unter dem Architekten Max Meckel an einer markanten Stelle im Stadtbild von Karlsruhe.
Die Nähe zur Innenstadt und zur Universität prägt das Gemeindeleben. Es gibt vielfältige musikalische Angebote.
Viele Jahrzehnte hat es gedauert, bis nach der Stadtgründung 1814 in Karlsruhe die erste katholische Kirche "St. Stephan" gebaut wurde. Obwohl im Zuge der Industrialisierung während des 19. Jahrhunderts viele Katholiken nach Karlsruhe zogen - 1885 waren 44% der Bevölkerung katholisch - verzögerte sich der Bau weiterer Kirchen. Nicht nur religiöse und bevölkerungspolitische, sondern auch städtebauliche Aspekte spielten eine Rolle beim Vorantrieb des Bauvorhabens der dritten katholischen Kirche vor dem ehemaligen Durlacher Tor im Osten der Stadt. Schließlich schenkte Großherzog Friedrich I. der katholischen Gemeinde am 15.11.1888 den Baugrund mit der Auflage, den Neubau binnen fünf Jahre zu beginnen.
Architektonisch ist St. Bernhard eine der bedeutendsten neugotischen Kirchenbauten in Baden, geplant von einem der fähigsten Mittelalter-Architekten seiner Zeit, Max Meckel (1847-1910). Er lieferte nicht nur die architektonischen Entwürfe, sondern auch solche für das gesamte Inventar, von den Beichtstühlen bis zur Glockenzier.
Das Geläut
Die Pfarrkirche St. Bernhard in Karlsruhe verfügt über ein wunderbares achtstimmiges Geläut. Der Glockengießer Heinrich Kurtz, Stuttgart, ergänzte im Jahr 1948 das sechstimmige Grüninger-Geläut um weitere zwei Glocken. Musikalisch zählt es zu den schönsten Geläuten der Jahrhundertwende in Süddeutschland. weiter...
Baubeschreibung
Im Grundriss der Stadt schließt St. Bernhard die Blickachse durch die Kaiserstraße, die genau auf den Turm zuläuft, im Osten imposant ab. Die monumentale Ausführung mit Strebepfeilern und dem münsterförmigen Dach unterstützt die dominierende Wirkung zusätzlich. Max Meckel verstärkte geschickt die beeindruckende Ausstrahlung von St. Bernhard, indem er den ganzen Bau auf ein Plateau stellte, das sich 1,50 m über dem Straßenniveau der Durlacher Allee erhebt, so dass die Kirche und ihr steiler, 93 m hoher Turm aus rotem Sandstein noch in Mühlburg gesehen werden konnte. Im Osten geben eine gegenläufige Freitreppe und ein kanzelartiger Altan mit Maßwerkbrüstung dem Äußeren einen besonderen Reiz. Es sind noch die Reste der ursprünglichen Außenanlagen.
St. Bernhard ist eine dreischiffige, gewölbte Rundpfeilerbasilika mit Lang- und Querhaus, deren Apsis von einem abgetrennten Chorumgang umschlossen wird. Der Chorbau öffnet sich wiederum zu einer Art Kapelle, die als Sakristei dient. Die beiden Enden der Querhauses münden in polygonale gebrochene Chöre, in die Kapellen eingefügt sind. An das Mittelschiff schließt sich im Westen ein mächtiger Turm an, dessen Sockelgeschoss eine geräumige Vorhalle umfängt. Der gewaltige, reich gegliederte Turm und der malerisch gruppierte Querhaus-Chor-Komplex stellen die architektonisch aufwendigsten Teile dar. Bestimmt wird die Westfront der Turmfassade von einer hohen, kielbogenüberfangenen Portalnische mit reichen Dekor. Das sechsjochige Langhaus, durch Strebepfeiler und ein offenes Strebewerk im Obergaden markant gegliedert, erhält seine Akzente durch unterschiedlich und aufwendig geformte Portale.
Beachtlich sind die Mittelschiffbreite, der nur zweizonige Aufriss sowie die sehr tief angesetzten Kreuzrippengewölbe. Arkaden, Vierungs- und Querhausbogen sind fein profiliert. Der Reiz liegt in den Details, wie Kapitellen, Sterngewölben, Schlusssteinen und Maßwerkformen. Ein besonders bemerkenswertes Architekturgebilde ist die lettnerartige Orgelbühne. Krabben, Blendungswerk, üppiges Blattwerk an Profilen und Kapitellen sowie das Rutenwerk an Stützen formen zusammen mit dem Ziergewölbe ein Kunstwerk. Insgesamt ist die Kirche ein hervorragendes Beispiel für städtebauliche Planung im 19.Jahrhundert.
Ausstattung
Von der von Max Meckel ursprünglich sorgfältig geplanten Innenausstattung gingen die zahlreichen Glasgemälde und die Orgel durch Kriegseinwirkung, die Wandgemälde beim anschließenden Wiederaufbau verloren. Erhalten geblieben sind die komplette kunstvolle Altarausstattung sowie Taufstein, Kanzel und Kreuzwegstationen, die in qualitätsvoller Steinmetzarbeit gefertigt wurden.
Der Hochaltar, ein niedriger Flügelaltar mit hohem Aufsatz auf reich verzierten steinernen Unterbauten in üppiger bunter Fassung, sowie fünf weitere Altäre mit reichlichen Schnitzereien von Statuen und Reliefs von Heiligen in den Altaraufsätzen, ein überlebensgroßer kreuztragender Christus und ein Gekreuzigter, sind eine Besonderheit dieser Kirche. Der Zelebrationsaltar sowie der in Bronze gegossene Ambo wurden 1975 geschaffen. Ein Gedenkstein für Erzbischof Eugen Seiterich, ein Sohn der Pfarrgemeinde St. Bernhard, befindet sich im nördlichen Querschiff.
Von der traditionsreichen Gießerei B. Grüninger in Villingen wurden 1902 sieben Glocken gegossen. Trotz der Beschlagnahmung von sechs Glocken im Zweiten Weltkrieg konnten diese aufgrund einer Liste des Konservators Sauer und des damaligen Straßburger Baurats Rolli vor der Verhüttung gerettet und 1946 auf dem Glockenlager in Hamburg wiedergefunden werden. Eine beschädigte Glocke wurde danach umgegossen und eine weitere dem Geläute hinzugefügt.
Damit besteht das Geläute aus folgenden acht Glocken:
- Bernhard-Glocke, 4300 kg, Ton B
- Petrus- und Paulus-Glocke, 2600 kg, Ton C
- Josephs-Glocke, 1680 kg, Ton d
- Marien-Glocke, 970 kg, Ton f
- Konrads-Glocke, 704 kg, Ton g
- Clemens-Glocke, 500 kg, Ton a
- Johannes-Glocke, 408 kg, Ton b
- Klara-Glocke, 300 kg, Ton c
Das Geläute stellt zusammen mit dem Glockenturm, dem Glockenstuhl, den Glockenarmaturen und der Turmuhr ein Gesamtkunstwerk von außerordentlicher Bedeutung dar. Es ist kein weiteres Bauwerk bekannt, in welchem diese Einheit der Jahrhundertwende noch so weitgehend unverfälscht erhalten ist.
Zum Patron des Gotteshauses wurde in pietätvoller Dankbarkeit gegenüber dem Landesherrn, Großherzog Friedrich I., der selige Markgraf Bernhard II. von Baden (1429 - 1458) gewählt. Seine 2,60 m hohe Statue steht über dem Westportal in ca. 21 m Höhe im Turm.
Baugeschichte
| 1892 | Bauentwurf von Max Meckel |
| 1893, Juli | Großherzog Friedrich I. erklärt Meckels Pläne für gut, verlangt aber, den Bau steinsichtig zu belassen. |
| 1896, 29. Juni | Grundsteinlegung |
| 1897, 21. Sept. | Vollendung der Turmportals |
| 1901, 29. Juni | Turmvollendung |
| 1902, 31. Aug. | Glockenweihe |
| 1902, 26. Okt. | Weihe der Kirche |
| 1905 bis 1936 | Anschaffung der Altäre, der Kanzel, der Kreuzwegstationen, der Orgel und der Glasgemälde, überwiegend durch Stiftungen und milde Gaben finanziert |
| 1944, 8. Sept. | Bombenschäden: Gewölbe beschädigt, Dachstuhl und Orgel verbrannt, alle Glasmalereien zerstört. Die Altäre waren ausgelagert. |
| 1946 | Errichtung eines Notdaches, um weitere Schäden zu vermeiden |
| 1947/48 | Glocken kommen zurück, Uhr- und Schlagwerk werden wieder in Gang gesetzt |
| 1952-54 | Generalinstandsetzung der Kirche |
| 1959 | Weihe der neuen Orgel |
| 1960/61 | Außenerneuerung am Turm-Geläute |
| 1972 | Neubau des Daches in alter Form mit Dachreiter |
| 1975, 14. Dez. | Weihe des von Frido Lehr gefertigten Zelebrationsaltars |
| 1991 | Umfassende Innenerneuerung der Kiche nach dem Gesamtkonzept und der Planung des Erzbischöflichen Bauamts, Außenstelle Karlsruhe.Restaurierung der Altäre, neue Verglasung der Fenster, Neuausmalung nach Entwürfen von Eva Lehr. Am 4. Adventssonntag wieder in Dienst genommen. |
| 2005-09 | Umfassende Außenrenovierung ...mehr... |

