Seit ihrer Gründung im Jahr 1940 hat sich die ökumenische Gemeinschaft von Taizé zu einem spirituellen Zentrum für Jugendliche und Familien in ganz Europa entwickelt. Sie steht für eine Aussöhnung zwischen den Konfessionen, für europäische Verständigung und einen einfachen Lebenswandel.
Der Bruderschaft im kleinen Ort Taizé in Burgund gehören rund 100 Männer aus etwa 25 Ländern aus der katholischen und verschiedenen evangelischen Kirchen an. Seit 1978 finden neben den dauerhaft in Burgund angebotenen Begegnungen jährliche Großveranstaltungen in europäischen Städten statt. Geleitet wird die Gemeinschaft von dem deutschen Katholiken Frère Alois (68). Der schwäbische Katholik ist Nachfolger des Schweizer Gründers Frère Roger (Schutz, 1915-2005).
Frère Roger: Über den Gründer der Gemeinschaft von Taizé
Frère Roger hieß eigentlich Roger Schutz-Marsauche und wurde am 12. Mai 1915 in Provence im Schweizer Kanton Vaud geboren. Seine Mutter war Französin aus Burgund, sein Vater reformierter Pfarrer aus der Schweiz. Roger selbst hat keine eigene Lehre oder Theologie verfasst. Seine Botschaft war einfach: Liebe und Einheit unter allen Menschen.
In den ersten Jahren in Burgund fanden in seinem Haus Flüchtlinge Schutz, vor allem Juden, die er vor den Nazis versteckte. Nach Kriegsende kümmerte er sich um deutsche Kriegsgefangene. Immer mehr Gleichgesinnte schlossen sich ihm an. 1949 legten die ersten sieben Brüder die klassischen Ordensgelübde ab. Sie wollten ein mönchisches Leben und Solidarität mit anderen Menschen miteinander verbinden.
Die Brüder verdienen sich ihren Lebensunterhalt selbst, durch Handwerk, Druck und den Vertrieb ihrer Bücher. Auf Spenden verzichten sie. Dabei kümmern sie sich um Not leidende Menschen. Seit 1951 leben Brüder in kleinen Gemeinschaften mit den Besitzlosen in Asien, Afrika und Lateinamerika zusammen.
Für seinen Einsatz erhielt Frère Roger 1974 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 1988 den UNESCO-Preis für Friedenserziehung und 1989 den Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen. Nie hätte sich der Geistliche damals träumen lassen, dass die von ihm gegründete Gemeinschaft von Taizé solch einen durchschlagenden Erfolg haben würde. Zehntausende junge Menschen aus ganz Europa pilgern jedes Jahr zu den Jugendtreffen der Gemeinschaft nach Taizé, wobei alle Glaubensrichtungen respektiert werden. «Ich konnte nie verstehen, wieso Christen so viel Energie für die Rechtfertigung ihrer Differenzen verschwendeten. Ich wollte deshalb eine Gemeinschaft, in der die menschliche Solidarität gilt, unabhängig von allen Konfessionen.»
Der Ökumene ist die Gemeinschaft in dem burgundischen Dorf bis heute treu geblieben: In Taizé leben etwa 100 Brüder aus 25 Nationen. Im Laufe der Jahre haben Millionen Jugendliche und junge Erwachsene sich mit den Themen der Gemeinschaft befasst - mit Nächstenliebe, Frieden und Versöhnung.


